Reiseberichte

Malta : Kurzer Kulturreise nach Malta

Valletta, Gozo und unterwegs im Inselinnern

KURZER KULTURREISE NACH MALTA

Malta ist so ein Ziel, das zwar nicht wirklich weit weg liegt, aber irgendwie stellt man es sich schwierig vor, auf die kleine Insel vor Italien zu kommen. Im letzten Herbst habe ich festgestellt, dass das gar nicht stimmt: Direktflüge ab Frankfurt reißen kein riesiges Loch in die Urlaubskasse und dass Malta allemal ein lohnenswertes Ziel ist, kann man irgendwie schon erahnen: Malteser, uralte Bauten, eine spannende Mischung der Kulturen und mit Valletta eine kleine, aber feine Hauptstadt. Im Sommer haben die Badetouristen Malta fest in der Hand und da ich einige Besichtigungen auf dem Programm hatte, habe ich mir den Herbst, nach der Hauptferienzeit und noch nicht in den Herbstferien, als Reisezeit ausgesucht und wurde mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad belohnt. Auch das Meer war noch warm genug für ein Bad, aber zwei Tage hat es allerdings auch geregnet.

 

ABTAUCHEN IN EUROPÄISCHE GESCHICHTE AUF GOZO

Zugegeben, ich bin fasziniert von Archäologie, Geschichte, Sagen und Mythen. Da ist Malta natürlich genau das richtige Ziel und auch die kleine Nachbarinsel Gozo gehört dann zum Pflichtprogramm. Nach Gozo kommt man ganz einfach mit der Fähre oder dem Wasserflugzeug. Ersteres ist die günstigere Alternative: Alle 45 Minuten legt ein Schiff nach Gozo ab, leider nicht direkt von Valletta, sondern vom nordwestlichen Zipfel Maltas. Ganz oben auf meiner Liste stand die neolithische Tempelanlage von Ġgantija, die fast 6.000 Jahre alt ist und die in hellem Kalkstein erbaut wurde. Eigentlich sind es zwei Tempel, die man besichtigen kann und die zum UNSECO Weltkulturerbe gehören. In der Nähe der Tempel liegt der Borchtoff Steinkreis, den ich mir auch nicht entgehen lassen wollte. Der Steinkreis markiert den Eingang zu einer unterirdischen Nekropole, die ihren Ursprung sogar noch vor der Tempelanlage hat. Eigentlich wäre auch die Höhle der Kalypso einen Besuch wert gewesen, wo die schöne Zauberin angeblich mit Odysseus gehaust haben soll, aber da die Grotte seit einigen Jahren wegen Einsturzgefahr gesperrt ist, habe ich die Fähre zurück nach Malta genommen.

MALTAS FASZINIERENDE VERGANGENHEIT IN VALLETTA ERKUNDEN

Auch auf der Hauptinsel des Archipels kommen Geschichtsfans voll auf ihre Kosten. Ein Stadtbummel durch die Straßen und Gassen von Valletta erweckt den Eindruck, als sei die Hauptstadt des winzigen Staates steingewordenen Geschichte – im Herbst leuchtet dieser in der Sonne übrigens wunderschön golden und lädt dazu ein, die Speicherkarte des Fotoapparats oder Handys auszureizen. Wenn man zum ersten Mal in Valletta ist, sollte man sich den Großmeisterpalast des Malteserordens nicht entgehen lassen. Die Fassade zur Merchants Street sieht ziemlich schlicht und abweisend aus, aber der Große Innenhof ist eine wunderschön harmonische Anlage, in der die Grünpflanzen und Fensterläden fotogene Farbtupfer sind. Die Waffenkammer zeigt, dass der eigentlich geistliche Ritterorden der Malteser, die ihren Namen von der Ansiedlung auf Malta verdanken, zum Kämpfen ausgebildet wurde. Heute zum Glück sind die Malteser in karitativer Funktion auf der ganzen Welt unterwegs und nehmen sich den Hilfsbedürftigen jeder Religion an. Wo ich allerdings schon ein bisschen religiös angehaucht unterwegs war, wollte ich mir auch gleich die St. John’s Co-Cathedral ansehen. Von außen ist das Gotteshaus nicht so sonderlich vielversprechend, aber der Innenraum der Kirche ist wirklich sehr schön – besonders natürlich die Ausgestaltung des Tonnengewölbes. Man verbringt also viel Zeit damit, nach oben zu starren. Nach diesen Besichtigungen sollte man sich ein bisschen frische Mittelmeerluft um die Nase wehen lassen. Dabei kann man auch gleich die Aussicht auf Stadt und Hafen genießen, wenn man einen Spaziergang über die Befestigungsanlagen unternimmt. Hier unbedingt einen Stopp in den Lower Barraka Gardens einlegen, einer der wenigen Grünanlagen der Stadt, die schon vor über 200 Jahren angelegt wurden. Hübsch anzusehen und natürlich ein weiteres Fotomotiv ist das klassizistische Tempelchen mit dem Springbrunnen davor.

IM INSELINNEREN VON MALTA UNTERWEGS

In Valletta könnte man Tage verbringen, um die Stadt zu erkunden. Aber auch das Inselinnere hat einen eigentümlichen Reiz. Die Landschaft wird beherrscht von einem grün-braun-staubgrauem Flickenteppich aus Feldern. Vor einigen Jahren ging der Wassermangel der Insel durch die Medien und obwohl die Insel teilweise vom Tourismus lebt, verschärfen die Gäste das Problem natürlich weiterhin. Ein Blick auf die Insel, wo nur im Spätherbst, Winter und frühen Frühjahr genug Regen fällt für fast eine halbe Million Einwohner und noch viel mehr Touristen, verrät, dass das Problem mit dem fehlenden Wasser nicht nur Panikmache ist, aber die Malteser arbeiten fieberhaft an einer Lösung für ihre schöne Insel. Der Bus bringt mich und andere Touristen nach Mdina, das den etwas gruseligen Beinamen „Die stille Stadt“ trägt. Nur etwas mehr als 200 Menschen leben in der Stadt, die nicht gerade klein, dafür aber voller Prachtbauten ist. Als Mdina, obwohl strategisch günstig auf einem Hügel gelegen, den Status der Hauptstadt Maltas verlor, wanderten die Einwohner nach und nach an die Küste ab, aber vom einstigen Wohlstand zeugen die Gebäude, die weiterhin unterhalten werden. Ein weiterer Ausflug führte mich nach Marsaxlokk im Südosten der Insel. Hier gibt es einen großen Fischereihafen und auf dem Wasser schaukeln bunte und pittoreske Fischerboote, die mich wieder einmal den Fotoapparat zücken ließen. Hier lässt es sich auch ausgezeichnet baden, zum Beispiel im Peter’s Pool auf der anderen Seite der Delimara-Landzunge.

BLICK IN PFANNE UND SUPPENTOPF

Ganz Marsaxlokk scheint vom Fisch zu leben und daher sollte ein Blick in die Küche natürlich nicht fehlen. Tatsächlich findet sich in den maltesischen Gerichten reichlich Fisch, besonders die Goldmakrele, der sich zum Beispiel im Lampuki-Auflauf findet. Ansonsten gibt es natürlich auch eine Fischsuppe, die maltesische Form von Ratatouille für die Vegetarier, Kaninchen und für die, die es süß mögen, sind die Kannoli zu empfehlen: Vom Namen her erinnern sie an Cannelloni, aber in der Füllung der Teigrollen findet sich hier Ricotta, Schokolade oder Früchte. Ins Glas kommt eine Limo aus Zitrusfrüchten und Wermutkraut oder Bier der Brauerei Farsons – Achtung, das Bier ist sehr englisch mit wenig Schaum. Zum Fisch gibt es Weine, deren Zuckergehalt aber auch sehr niedrig liegt – einen lieblichen oder halbtrockenen Wein sucht man auf Malta leider vergebens. Ein opulentes Mahl kann man Bajtra abschließen, das aus Kaktusfeigen hergestellt wird.

BEMERKUNGEN ZUR SPRACHE

Maltesisch ist eine Amtssprache der EU und eine der Amtssprachen Maltas. Die Sprache scheint ein verwirrendes Gemisch aus Arabisch, Französisch und Süditalienisch zu sein, die mit dem lateinischen Alphabet dargestellt wird, aber sechs Zeichen machen jeden Ausspracheversuch zu einem kleinen Abenteuer. Das sollte aber niemanden davon abhalten, nach Malta zu reisen, denn Malta war lange genug englische Kolonie, um zum Teil very british mit roten Telefonzellen und Briefkästen zu sein. Folgerichtig kommt man mit Englisch sehr gut klar und die Malteser sind generell sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Geldwechsel ist übrigens auch unnötig – auf Malta zahlt man mit dem Euro.

 

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